Gesundheit

AKTIONSTAG

»Let’s talk« – Lasst uns drüber reden – lautet der simple Aufruf, mit dem sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dieses Jahr an die globale Öffentlichkeit richtet. Anlass ist der Weltgesundheitstag am kommenden Freitag. Wer sich mit dem Thema Depression beschäftigen will, findet im Internet auf weltgesundheitstag.de­ zahlreiche Daten, Fak­ten und weitere Infos.


Lasst uns drüber reden, bis es normal ist

Gegen gesellschaftliche Vorurteile: Weltgesundheitstag rückt das Thema Depression in den Fokus

(DP). Die Krankheit ist weltweit eine ernst zu nehmende Herausforderung. Doch noch ­immer verhindern Vorurteile und Stigma­tisierung ein angemes­senes gesellschaftliches Bewusstsein. Der diesjährige Weltgesundheitstag greift genau diese Problematik auf.

»Depression ist so etwas wie der Kollateralschaden der Leistungsgesellschaft«, sagt Dr. med. Wolfgang Schwachula. Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie in der Langenfelder LVR-Klinik hat jeden Tag mit Betroffenen zu tun und kennt die besonderen Tücken der Krankheit. Eigentlich sei Depression »ein bisschen wie ein Chamäleon«, erklärt der Spezialist. Sie könne in ganz unterschiedlichen Ausdrucksformen auftreten und Menschen aus allen Gesellschaftsschichten treffen. Gemeinsam haben Erkrankte fast immer, dass sie dauerhaft überfordert sind. So ist der gestresste Büromensch ebenso gefährdet wie der Leistungssportler oder jemand, der Angehörige pflegt und stets zur Stelle sein muss. Diese Überforderung – auch durch zu hohe Ansprüche an sich selbst – führt laut Schwachula schnell zum psychischen Kollaps. Und das in einer enormen Quantität: »Wir wissen, dass die Krankmeldungen aufgrund von psychischen Störungen mittlerweile den größten Teil der Krankmeldungen ausmachen.«

Das Leiden

Eine immer stärker werdende Antriebslosigkeit ist meist das erste Symptom. Außerdem bewerten Depressive in der Regel grundsätzlich Dinge negativ. »Es sind sehr pessimistische Einschätzungen – sowohl von allem, was um einen herum passiert, als auch von sich selbst«, so der Chefarzt. Der sonnige Tag und der liebgewonnene Mitmensch werden egal. »Betroffene beschreiben es wie eine Glasglocke, die sie umgibt und durch die sie nichts mehr erreicht.«

Gerade weil die Depression jeden treffen kann, ist es umso erstaunlicher, dass in den Köpfen der Gesellschaft noch immer eine deutliche Distanz herrscht und zahlreiche Stigmata und Vorurteile existieren. »Nach wie vor haben psychische Krankheiten nicht gerade eine positive Lobby«, formuliert es Dr. Wolfgang Schwachula. »Das ist eine Geisteskrankheit, so was darf man eigentlich nicht haben!«, laute zu oft die realitätsferne Einstellung. Betroffene hätten oft die Sorge, verrückt, chronisch krank und nicht mehr belastbar zu sein. Auf der anderen Seite würden ihre Mitmenschen fürchten, dass man sich mit einem Erkrankten »nicht mehr normal verständigen kann und dieser Mensch in irgendeiner Wiese absonderlich ist«. Sie reagieren mit großer Unsicherheit, was schnell zu Angst führt. Und nicht nur der Experte weiß: »Alles, was Angst macht, bewirkt einen Distanz-Reflex.« Des Weiteren unterstellen Außenstehende den Betroffenen häufig schlichte Faulheit – und denken nicht im Traum an eine ernst zu nehmende Krankheit.

»Darf kein Tabu sein«

Distanz und Unwissenheit führen dazu, dass Betroffene sich verschließen und erst gar nicht auf die Idee kommen, sich Hilfe zu holen. Dabei ist, so Schwachula, der erste Schritt zur Besserung die Erkenntnis, ein psychisches Problem zu haben. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich in dieser Hinsicht viel getan: Hausärzte sind mehr sensibilisiert, diagnostizieren häufiger entsprechende Störungen. Betroffene neigen eher zur Erkenntnis als vor 30 Jahren. Doch die Gesellschaft hat noch lange nicht ausgelernt und muss sich weiter und mehr mit dem Thema beschäftigen. »Wenn Patienten bewusst ist, dass ihre Mitmenschen die Krankheit akzeptieren und wissen, dass es ein Teil des Lebens ist, auch mal ein psychisches Problem zu haben, kann das durchaus helfen«, weiß der erfahrene Facharzt. Die Gesellschaft müsse Betroffene unterstützen;­ dies könne etwas sein, das »ein Stückchen Normalität bringt«. Und damit einen wertvollen Fortschritt. Dr. Wolfgang Schwachula: »Das Thema darf kein Tabu sein, man muss darüber reden.«


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